In der ersten Notiz sagte mir die KI, der Bericht sei abgabebereit, und er war es nicht. In der letzten Notiz habe ich behauptet, dass der Prozess das abstellt. Warum, erkläre ich hier.
Nehmen wir an, der exakt gleiche Auftrag ist hinsichtlich Input und Output sowohl im Chatbot als auch in Form des Prozesses abgebildet — zum Beispiel, dass alle Aussagen belegt und alle Quellen nachprüfbar sind (kann man ja auch dem Chatbot mitgeben) — und natürlich ist das Modell dasselbe. Dann ergeben sich die Unterschiede aus folgenden Gründen.
Der Auftrag.
Der Chatbot bekommt einen einzigen: Erstelle die Grundlagenermittlung aus diesen Unterlagen. Bei mir bekommt jeder Arbeiter einen winzigen. Wähle die relevanten Dokumente aus. Fasse dieses eine Dokument zusammen. Schreib aus diesen Zusammenfassungen den Entwurf. Das macht die einzelnen Schritte reproduzierbarer.
Die Motivation.
Das ist der wichtigste Punkt. Der Chatbot hat einen Schreibtisch, der voll wird, während er arbeitet. Also macht er, was ein überlasteter Mitarbeiter auch macht. Er überfliegt, sucht nach Stichworten und hört auf zu lesen, wenn er glaubt, genug zu haben. Nicht aus Faulheit, sondern weil sein Platz sonst nicht reicht.
Im Prozess hat das niemand nötig, weil die Aufgabe von vornherein so zugeschnitten ist, dass sie auf den Schreibtisch passt. Die einzige Motivation, die dann übrig bleibt, ist die, sauber abzuliefern. Wenn verkleinert werden muss, dann ist das Verkleinern eine eigene Aufgabe mit einem Verantwortlichen. Dieser liest das ganze Dokument und schreibt es kleiner, und er weiß dabei, wofür. Was verloren geht, geht dort verloren, wo es auch jemand gelesen hat.
Und wenn auf der zweiten Seite im Kleingedruckten steht „Details zur Planung finden sich in Dokument XYZ“ — dann geht das nicht verloren, sondern kommt in die Zusammenfassung.
Das Vorwissen.
Beim Chatbot ist es der gesamte bisherige Verlauf, vermischt mit dem, was er unterwegs aus den Dokumenten aufgeschnappt hat. Das heißt auch: Was ich vor zwei Stunden nebenbei gesagt habe, färbt darauf ab, wie er jetzt ein Datenblatt liest. Beim Prozess bekommt jeder Arbeiter einen festen Auftrag und die geprüften Ergebnisse der Stufe davor. Sonst nichts.
Je größer die Anlage, desto mehr Unterlagen, desto voller der Schreibtisch. Und dann wird alles häufiger, was ich beschrieben habe: Mehr wird überflogen, mehr verschwindet unbemerkt, mehr wird nebenbei entschieden. Das Ergebnis sieht dabei jedes Mal gleich gut aus, und es stimmt immer seltener.
Und ich lese immer und immer wieder das gleiche Dokument und versuche irgendwie, die Fehler rauszukriegen. Beim Prozess kommen die Fragen schon vor dem Ergebnis — ist das Ergebnis da, dann ist es auch zuverlässig.
In der nächsten Notiz gehe ich genauer darauf ein, wie und mit welchem Wissen die Arbeiter eigentlich arbeiten. Spoiler: never ask AI for knowledge.
Zuerst erschienen auf LinkedIn — dort freue ich mich über Kommentare.
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